Murmeltiere

 

    Das Alpenmurmeltier (Marmota marmota) im Portrait:

     

    Erscheinungsbild

    Das Alpenmurmeltier (Marmota marmota) gehört zu der Familie der Hörnchen (Sciuridae). Ihr eher gedrungener, kegelförmiger Körperbau misst eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa 40-50 cm. Der Kopf wirkt kurz mit einer breiten, zugespitzten Schnauze und kleinen behaarten Ohren. Das Körpergewicht schwankt im Jahresverlauf stark, so wiegen erwachsene Männchen nach dem Winterschlaf etwa 3kg. Die weiblichen und männlichen Alpenmurmeltiere unterscheiden sich in Gestalt, Größe und Färbung kaum voneinander. Ihr dichtes Fell variiert in Farbe (von grau bis braun) und Helligkeit. Die Geschlechterunterscheidung ist anhand des Abstandes zwischen Genital- und Afteröffnung (bei Männchen ist der Abstand größer) möglich. Ihr buschiger Schwanz besitzt eine schwarze Schwanzspitze. Die flinken Nagetiere bewegen sich, auf ihren unbehaarten Fußsohlen, mit gut entwickelten Fußballen, bei Gefahr blitzschnell über den Boden. Steinadler und Fuchs stellen für das Murmeltier die größten Raubfeinde dar. Bei Gefahr warnen sich die Tiere durch Pfiffe. Ein Einzelpfiff bedeutet höchste Gefahr, Rufserien signalisieren dagegen ein geringere Gefahrenpotential.

     

    Verbreitung und Lebensraum

    Alpenmurmeltiere sind im deutschsprachigem Raum unter anderem in den Bayrischen Alpen, den Kalkalpen, im Gesäuse und den Zentralalpen anzutreffen. Der natürliche Lebensraum der sozial lebenden Tiere befindet sich im subalpinen- und alpinen Bereich in Höhen von 1000 bis 3000 m über dem Meeresspiegel. Aufgrund ihrer geringen Wärmetoleranz sind sie auf ein gemäßigtes bis arktisches Klima angewiesen, da sie nicht hecheln können und nur wenige Schweißdrüsen besitzen. Murmeltiere verbringen die meiste Zeit ihres Lebens unterhalb der Erde in ihren Bauten. Geeignete Lebensräume sind Böden wie Hangschutt oder Moränen, die leicht zu durchgraben sind und trotzdem Halt bieten. Des Weiteren bietet ein geeigneter Lebensraum Schutz vor Wassereinbrüchen und Überflutungen.

     

    Verhalten

    Die tagaktiven, hoch sozialen Säugetiere leben in hierarchischen Gruppen mit bis zu 20 Gruppenmitgliedern. Angeführt wird der Familienverband von den territorialen Elterntieren. Diese leben alleine oder mit Nachkommen verschiedener Jahrgänge in einem Wohngebiet von durchschnittlich 2,5 ha. Neben der Verteidigung der Territorien durch das ranghöchste Männchen und Weibchen, werden die Territorien durch olfaktorische und optische Signale abgegrenzt. Sind die Nachkommen alt genug, müssen diese das Revier verlassen, sowohl die weiblichen als auch die männlichen Tiere begeben sich auf Wanderschaft. 

    Murmeltiere sind echte Weltmeister im Graben von unterirdischen Tunnel- und Kammersystemen.  Ihre Bauten können in drei Bautypen unterschieden werden: Fluchtröhren, Sommerbaue und Winterbaue. Für den Winterschlaf sind die Winterbauten von zentraler Bedeutung. In die am tiefsten liegende Nestkammer wird etwa 10kg Heu eingetragen. Die Eingänge werden von innen mit Erde, Kot und Nistmaterial zum Schutz vor Räubern verschlossen. Den Winterschlaf verbringen die Tiere in einem Zustand der Kältestarre (Torpor) und kurzen Zeiträumen der Wiedererwärmung des Körpers (Euthermie). Ihre Körpertemperatur sinkt von 37,7 Grad Celsius auf 5 bis 7 Grad Celsius herab. Durch Muskelzittern, wird die Wärmebildung im ,,braunen Fett‘‘, einem dafür spezialisierten Gewebe angeregt. Warum die Tiere immer wieder in die Phase der Euthermie eintreten, ist noch nicht bekannt. 

     

    Fortpflanzung

    Die Paarungszeit von Alpenmurmeltieren beginnt im April/Mai mit dem Erwachen aus dem Winterschlaf und findet überwiegend im Bau statt. Nur das Weibchen mit dem höchsten sozialen Status pflanzt sich dabei mit dem dominanten Männchen, jedoch auch mit subdominanten Männchen fort. Nach drei bis fünf Wochen werden zwei bis fünf Jungen blind geboren. Das Weibchen säugt die Jungen vier bis fünf Wochen. Im Alter von etwa zwei Monaten verlassen die Jungtiere ihren Bau. Die Jungtiere lernen spielerisch durch Box- und Schiebespiele, sich auf den Ernstfall vorzubereiten. Bei den Einjährigen liegt die Mortalitätsrate bei etwa einem Drittel, da die Jungen zum ersten Winter erst die Hälfte des Erwachsenengewichts besitzen. Mit zwei bis drei Jahren erreichen die Murmeltiere ihre endgültige Geschlechtsreife.

     

    Nahrung

    Das Alpenmurmeltier gehört zu den Pflanzenfressern und ernährt sich vorwiegend von Gräsern und Kräutern, jedoch können die wachsamen Alpenbewohner auch auf tierisches Eiweiß von Insekten zurückgreifen. Im Frühjahr nach der Schneeschmelze ernähren sich die Tiere von den vorzufindenden jungen Trieben. Im weiteren Verlauf der Sommersaison selektieren Murmeltiere ihre Nahrung immer stärker. Bei der Nahrungswahl werden energiereiche und gut verdauliche Futterpflanzen bevorzugt. Von essentieller Bedeutung scheint die Aufnahme ungesättigter essentieller Fettsäuren zu sein, da diese vom Organismus selbst nicht synthetisiert werden können, jedoch die Zeitspanne in der sich das Tier im Torpor befinden kann und die Toleranz gegenüber tiefen Temperaturen beeinflusst.

     

    Murmeltierschutz

    Der Bestand der Alpenmurmeltiere wird laut IUCN als stabil eingeschätzt. In Deutschland wird das Alpenmurmeltier in der Roten Liste als extrem selten geführt, In Bayern wird das Murmeltier aktuell als nicht gefährdet eingestuft und steht unter dem Schutz ganzjähriger Schonzeit. In Österreich gilt das Alpenmurmeltier als potentiell gefährdet, darf jedoch bejagt werden.